Stoffkunde

Tierische Fasern

bestehen aus Eiweißfasern und sind den Grundstoffen der menschlichen Haut in Substanz und Eigenart sehr ähnlich.

Alpaka

ist die seidige Flaumwolle der Alpakas, die volkstümlich auch Lamas genannt werden. Die kleinen horn- und höckerlosen Schafkamele leben auf dem Hochland Südamerikas. Sie werden alle zwei Jahre geschoren und ihre Wolle ist federleicht und hat einen sanften Glanz. Da sie noch heute vielfach in Handarbeit verarbeitet wird, bleibt ihr hoher Fettgehalt erhalten. Dies macht die Wolle besonders wertvoll. Sie wärmt gut und ist schmutzabweisend. Alpaka gibt es in über 20 Naturfarbtönen.

Angora

ist die kuschelige Wolle des Angorakaninchens. Die Angorawolle wird durch auskämmen und gelegentliches Scheren gewonnen. Die Haare sind weich, seidig glänzend, sehr fein und unglaublich leicht. Angora ist die leichteste Naturfaser überhaupt.

Cashmere

Kostbarer als Seide: Das edle Material aus dem Brustflaum der Hochgebirgsziegen, die auf den Bergmassiven der Mongolei, Chinas, Persiens und Afghanistans in Höhen bis zu 5000m leben. Das flaumweiche und dichte Unterhaar wird nicht durch Schur gewonnen, sonder vorsichtig ausgekämmt und gezupft. Dann wird es von Hand aussortiert, gewaschen und von Unreinheiten befreit. Höchstens 100 Gramm pro Tier werden so jährlich ‘geerntet’. Etwa 500 bis 600 g braucht man allein für einen Pullover.

Kamelhaar

Die Faser von zweihöckrigen Kamelen aus den Hochebenen Westchinas, Tibets und der äußeren Mongolei. Jährlich werden den Tieren rund fünf Kilogramm Wolle aus dem Fell gekämmt. Kamelhaar wirkt klimatisierend und besitzt ein großes Wärmerückhaltevermögen.

Schafwolle

Zählt zu den ältesten Spinnmaterialien der Welt und Wollfilz ist die älteste Stoffart überhaupt. Die Oberfläche der Wollfaser wird von dachziegelartigen Schuppen gebildet, die von einem hauchdünnen Häutchen überzogen sind. Dieses Häutchen macht die Wolle zu einer der glattesten Spinnfasern. Das Innere des Haares besteht aus zwei verschiedenen Arten von Zellen. Diese leicht verzwirnten Hälften verhalten sich Feuchtigkeit gegenüber unterschiedlich, denn die eine Zellart quillt stärker als die andere und da beide fest miteinander verbunden sind, sind sie ständig in Bewegung. Diese Besonderheit verleiht der Wolle zum einen ihre Elastizität, zum anderen einen natürlichen Selbstreinigungseffekt. Die feinen Schüppchen an der Faseroberfläche massieren sanft die Haut und regen die Durchblutung an. Wolle ist Temperatur ausgleichend und besonders atmungsaktiv. Sie kann mehr als ein Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen und kühlt auch im feuchten Zustand nicht aus.

Schurwolle

sind Wollhaare, die ausschließlich vom lebenden Schaf geschoren und verarbeitet werden.

Lambswool

ist eine außergewöhnlich feine und weiche Wollqualität. Die Lämmchen werden erstmalig geschoren und müssen jünger als ein halbes Jahr alt sein.

Loden

"Lodo" oder "Lodium", im Althochdeutschen gleichbedeutend mit "grobes Wollzeug", "zotteliger Mantel".
Durch das Walken, einer Methode des Verfilzens, erhält der Lodenstoff seine Dichte. Das Verfilzen der Wolle erfolgt besonders gut bei feiner und stark gekräuselter Wolle. Seine einfache Struktur läßt, ähnlich den übereinander geschichteten Lagen eines Strohdaches, das Regenwasser leichter ablaufen und schützt so vor schnellem Durchnässen.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Mäntel und Umhänge aus Loden die zweckmäßige, wetterfeste Bekleidung für Jäger, Bauern und Hirten.

Merinowolle

Die Wolle des Merinoschafes ist die feinste. Bis ins Mittelalter war die Merionschafzucht den vornehmsten Höfen Europas vorbehalten. Ihre Wolle durfte nur zu königlichen Tuchen verarbeitet werden. In Spanien stand die Ausfuhr von Merinos sogar unter Todesstrafe. Nur die Herrscher selbst schenkten zu besonderen Anlässen einem anderen Landesfürsten eines ihrer wertvollsten Tiere. Im 18. Jahrhundert gelang jedoch einem mutigen Seefahrer, die ersten Schafe von England nach Australien zu schmuggeln. Das dortige Steppenklima und die endlosen Weideflächen sind ideale Voraussetzungen für die empfindlichen Tiere.

Mohair

Die Mohairziege stammt ursprünglich aus Kleinasien. Sie liefert langes, seidig glänzendes Haar. Die leichte, weiche Mohairwolle ist voluminös und lässt sich sehr gut färben.

Seide

ist der kostbarste Naturfaden. Sie ist eine tierische Faser. Seide wird aus den Kokons der Seidenspinner gewonnen. Diese Nachtfalter leben in warmen Klimazonen und ihre Raupen ernähren sich ausschließlich von frischen Blättern des Maulbeerbaumes. Sie verpuppen sich nach etwa 40 Tagen und innerhalb von 36 Stunden. Ihre feste Hülle besteht aus gut 3000 Metern feinstem Faden. Ähnlich wie Wolle, setzt sich der Seidenfaden aus zwei Fadenarten zusammen. Ihre unterschiedliche Konsistenz verleiht der Seide ihre Elastizität und ihr jeweils spezifisches Verhalten gegenüber äußeren Einflüssen bewirkt eine natürlich Selbstreinigung. Seide hat eine glatte Oberfläche, ist temperaturausgleichend und besonders hautverträglich. Sie kann wie Wolle Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen weiterleiten.

Bouretteseide

Die kürzeren und wirren Faserteile der Maulbeerseide aus dem äußeren und innersten Bereich des Kokons werden zusammen mit Seidenfaserabfällen zu Bouretteseide verarbeitet. Das matte Garn hat eine etwas unregelmäßige, leicht noppige Struktur und ist wesentlich fülliger als glatte Seiden. Durch den hohen Anteil des Seidenleimes hat die Bouretteseide eine natürliche Heilwirkung, wirkt entzündungshemmend und beruhigt die Haut.

Roßhaar

Haare von Körper, Schweif und Mähne des Pferdes werden vor allem für Heimtextilien verarbeitet. Ihre bekannten Vorzüge: Enorm hohe Lebensdauer und hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen.

Pflanzliche Fasern

bestehen aus Zellulose. Verschiedenartige Pflanzen liefern ihr natürliches Rohmaterial, das einer Aufbereitung bedarf, um es für die Textilherstellung nutzbar zu machen.

Barchent

Ab dem 14. Jahrhundert ist Barchent (Baumwoll-Leinen-Mischgewebe) allgemein verbreitet. In Süddeutschland und Flandern entsteht eine große Barchentproduktion. In dieser Zeit entsteht auch der Begriff Aketon für wattierte Rüstungen und auch wattierte Kleidung (speziell im Französischen), der sich aus Al´qtun - arabisch für Baumwolle - herleitet.
Barchent wurde spätestens im 15. Jahrhundert zur preiswerten Alternative zu Leinenstoffen.

Baumwolle

Ist die beliebteste Naturfaser. Sie ist eine Pflanzenfaser und hat viele gute Trageeigenschaften. Die Baumwollpflanze, ein strauchartiges Gewächs aus der Familie der Malven, wächst in tropischen oder subtropischen Gebieten. Nach der Blüte bilden sich walnussgroße Fruchtkapseln. Zur Erntezeit springen die Baumwollkapseln auf und die weichen weißen Samenhaare quellen heraus. Baumwolle ist strapazierfähig, formbeständig und haltbar. Sie ist weich und angenehm auf der Haut. Baumwolle kann nahezu 20% ihres Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und fühlt sich dennoch trocken an.

Die Samenfasern des tropischen Baumwoll-Strauches sind schon lange vor unserer Zeitrechnung Grundlage für kostbare Gewebe:
Im babylonischen Reich hießen sie "Weißes Gold".

Die erste Kunde von indischer Baumwolle gibt um 450 vor unserer Zeit der griechische Geschichtsschreiber Herodot. Durch die Araber verbreitet sich die Pflanze auch in Europa, insbesondere in Spanien und Italien.
Das Lauchheim Grab 974 (ca. 500 nach Chr.) enthielt einen der frühesten Nachweise für Baumwolle in Europa.
Weitere europäische Baumwoll-Funde, stammen nach Inga Hägg aus vereinzelten Gräbern in Birka in Schweden (ca. 9./10. Jahrhundert), die wohl mit Fernhändlern in den hohen Norden geraten sind.
Zahlreiche mittelalterliche Bezeichnungen stammen aus der Antike, z. B. bombacium, cotum, gossypium, lana xylina.
Im 12. Jahrhundert (Kreuzzüge) steigt der Import von roher und gesponnener Baumwolle rasch an. Die mittelalterlichen Baumwoll-Stoffe sind durchweg Mischgewebe, teils mit Seide oder Wolle, teils mit Leinen.
In Mitteleuropa beginnt der Baumwollanbau Anfang des 13. Jahrhunderts in Spanien und Italien.
Ab dem 14. Jahrhundert ist Barchent (Baumwoll-Leinen-Mischgewebe) allgemein verbreitet. In Süddeutschland und Flandern entsteht eine große Barchentproduktion. In dieser Zeit entsteht auch der Begriff Aketon für wattierte Rüstungen und auch wattierte Kleidung (speziell im Französischen), der sich aus Al´qtun - arabisch für Baumwolle - herleitet.
Einer der ersten, Erhaltenen Gambesons ist der Pourpoint von Karl dem Kühnen (Ende des 14. Jahrhunderts), der auch eine Füllung aus Baumwolle hat.
Barchent wurde spätestens im 15. Jahrhundert zur preiswerten Alternative zu Leinenstoffen.
Die Hochzeit der Baumwollindustrie begann in England Ende des 18.Jahrhunderts mit der Erfindung der Spinnmaschine.

Pflege: Baumwolle kann problemlos bei 40°C gewaschen werden und ist bügelfähig.
Gebleichte Baumwollkleidung ist auch bei 60 bis 90°C waschbar.

Hanf

ist eine universelle Kulturpflanze und ist viele Jahrhunderte eine bedeutende Rohstoffquelle gewesen. Die Hanfpflanze hat allerdings einen hohen Düngemittelbedarf. Jäten und sonstige Pflege sind jedoch weitgehend überflüssig. Sie ist eine ideale Zwischenfrucht. Für jede nachfolgende Frucht hinterlässt die Hanfpflanze den Acker besser als sie ihn vorgefunden hat. Wird Hanf jedoch in Monokulturen statt in Fruchtfolge angebaut, laugt sie den Boden erheblich aus, was zu einem erhöhten Düngemitteleinsatz führt. Der Wasserbedarf der Hanfpflanze ist relativ hoch, so dass der Anbau nur in entsprechend feuchten bzw. Wasserreichen Gebieten sinnvoll ist. Kleidungsstücke aus Hanf sind robust und bequem, vielseitig und unkompliziert wie die Pflanze selbst. Hanf hat eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit. Er kann bis zu 30% seines Gewichtes an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen.

Kokos

Kokosfaser ist die Fruchtfaser von der äußeren Schale der Kokosnuss. Das Fasermaterial wird gestampft, gewaschen und getrocknet. Kokos ist widerstandsfähig und nimmt wegen seines hohen Fettgehalts nur wenig Schmutz an. Die Faser hat ein hohes Wärmevermögen und behält über lange Zeiträume ihre Elastizität. Kokos ist ein beliebtes Material für Matratzen.

Kapok

Samenhaare aus der Frucht des Seidenwollbaumes. Durch den ungewöhnlich hohen Luftgehalt ein weiches, wärmeisolierendes Füllmaterial.

Leinen

Ist die älteste Pflanzenfaser. In nur 100 Tagen wächst und reift der Flachs vom winzigen Samenkorn zur 100 cm großen Pflanze, deren Stengelfasern bereits die Vorzüge des klassischen Leinengewebes aufweisen: überaus fest und widerstandsfähig. Leinen ist feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig und als einzige Faser von Natur aus antistatisch. Leinen ist weitgehend geruchsneutral. Zudem ist Leinen sehr saugfähig, was die Klimaregelung des Körpers bei heißen Temperaturen unterstützt wodurch es bei Hitze angenehm kühl auf der Haut ist.
Da Flachs so robust ist, dass er nicht mit Pestiziden behandelt werden muss, ist das Leinen in der Regel nicht belastet.

Schon 5.000 v.Chr. wurde die Flachsfaser in Ägypten und Babylon systematisch angebaut.
Ab dem 14. Jahrhundert ist Barchent (Baumwoll-Leinen-Mischgewebe) allgemein verbreitet. In Süddeutschland und Flandern entsteht eine große Barchentproduktion. In dieser Zeit entsteht auch der Begriff Aketon für wattierte Rüstungen und auch wattierte Kleidung (speziell im Französischen), der sich aus Al´qtun - arabisch für Baumwolle - herleitet.
Barchent wurde spätestens im 15. Jahrhundert zur preiswerten Alternative zu Leinenstoffen.
Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts war Leinen neben Wolle das beliebteste Tuch zur Herstellung von Kleidungsstücken.

Pflege: Leinen ist normal waschbar und kochfest. Es trocknet schnell und ist bügelfähig.

Ramie

Das Leinen des Orients. Einer der ältesten Textilstoffe, bereits in alten Schriften Chinas und Indiens erwähnt. Die ägyptischen Mumien wurden in Tücher aus Ramie eingewickelt. Die Bastfaser der Ramiepflanze, als Rohfaser auch ‘Chinagras’ oder ‘Reha’ genannt, besteht wie Flachs aus reiner Zellulose. Sie ist sehr reißfest, saugfähig und flusenfrei.

Pflegehinweise

Wolle

Wolle regeneriert sich sehr gut durch Lüften und braucht daher nicht so häufig gewaschen zu werden. Bei Verschmutzung sollte Wolle bei ca. 30°C mit milden, biologischen Waschmitteln gewaschen werden. Ist die Wollwäsche sehr verschmutzt, empfiehlt sich längeres Einweichen (z.B. über Nacht) in lauwarmer Seifenlauge.

Wichtig ist:
- Waschtemperatur bis ca. 30°C
- nicht rubbeln, reiben, wringen (Filzgefahr)
- bei gleicher Temperatur spülen und waschen (Kälteschock, Filzgefahr)
- ein Schuss Essig im letzten Spülgang entfernt Seifenreste und lässt die Farben frischer erscheinen
- Trocknen auf Formbügeln oder flach ausgelegt auf einem Handtuch oder Wäschenetz
- Wolle nie im Wäschetrockner, auf der Heizung oder in der prallen Sonne trocknen

Baumwolle und Leinen

Baumwolle und Leinen können problemlos in der Maschine gewaschen werden. Wählen Sie die Waschtemperatur entsprechend dem Hinweis auf dem Pflegeetikett und verwenden Sie vor allem bei farbigen Textilien, Waschmittel ohne optische Aufheller. Waschen Sie helle und dunkle Farben immer getrennt, um ein Ineinanderlaufen der Farben zu vermeiden. Bedenken Sie bitte, dass naturbelassene Baumwolle beim Waschen etwas einläuft und in nassem Zustand wieder in Form gezogen werden sollte. Falls Sie einen Trockner verwenden, wählen Sie bitte Kleidung aus Naturbaumwolle etwas größer.

Seide

Weil Seide aus einer tierischen Eiweißfaser besteht, gelten für ihre Pflege prinzipiell die gleichen Grundsätze wie bei Wolle, jedoch ist die Seide nicht ganz so sensibel, was Temperaturschwankungen bei der Pflege betrifft.

Mottenschutz

Textilien, die im Gebrauch sind, werden in der Regel nicht von Motten befallen. Mottenschutz wird aber wichtig, wenn Bettdecken, Pullover oder Wolldecken über längere Zeit gelagert werden. Zu empfehlen sich natürliche Mittel wie Walnussblätter, Lavendel, Zirbelkiefernöl oder Zedernholz.