Lederinfos

Zuden von uns verwendeten Ledern
Leder ist ja die Haut von Tieren (Nee, echt? *g*). Tiere haben Adern, verletzen sich, kriegen Narben. Solches Leder ist heute nur noch schwer zu finden, weil die Lederindustrie möglichst gleichförmiges Leder bevorzug.
Wir sind der Meinung, daß man, wenn man zu gleichmäßig eingefärbtes Leder verwendet, auch gleich Plastik nehmen kann. Daher _versuchen_ wir, wo immer möglich, Leder mit Charakter zu verarbeiten, damit das Endprodukt möglichst natürlich aussieht und schön altert. Leder, dem man seinen Ursprung noch ansieht, das hier und da einen vernarbten Zeckenbiß, verheilte Heckenrisse oder Halsriefen hat, wirkt einfach ``lebendiger``, ``echter`` und schöner.

Lederarten

Bei der Einordnung von Leder sind für uns zwei der wichtigsten Kriterien zum einen die Lederdicke und zum andern die Frage ob es sich um Volleder oder um Spaltleder handelt.

Kurz zur Erklärung:
Wenn man ein Stück Volleder von der Seite betrachtet, besteht es aus verschiedenen Schichten.
Die Oberseite (die ehemalige Hautoberfläche des Tieres) nennt man Narbenseite oder kurz Narbe. Sie besitzt die höchste Stabilität und Reißfestigkeit.
Die unteren Hautschichten werden immer ``lockerer`` und damit weniger stabil und reißfest.
Vor oder nach der Gerbung wird ein Leder auf die angestrebte Dicke (auch Stärke genannt) gespalten. D.h. vom Volleder wird soviel der Unterseite (der Fleischseite) abgespalten wie nötig um die gewünschte Stärke des Volleders zu erreichen. Diese abgespaltenen Lederschichten kann man dann weiterverarbeiten zu Spaltledern oder Spaltvelouren.

Hier ein paar der Leder die wir verarbeiten und/oder verkaufen:

Dickleder (d.h. Leder mit einer Stärke von ca. 2,5-6 mm und einer gewissen Standigkeit)

Volleder
Volleder ist ein Überbegriff für jede Art von Leder, das als Oberfläche die natürlilche Hautoberfläche (die Narbenseite) des Tieres hat. Dies ist im Gegensatz zu Spaltledern immer stabiler, reißfester und feuchtigkeitsbeständiger. Kurz: hochwertiger und auch teurer. Unter diesen Überbegriff fallen also sowohl dickere Leder (z.B. Blankleder, Kernleder, Bodenleder, Geschirrleder, Fahlleder, Rüstleder usw.) für z.B. Gürtel oder Rüstungen, die dann meistens auch tatsächlich als Volleder bezeichnet werden, als auch dünnere Leder wie z.B. Glattleder, Nappaleder oder (wenn leicht angeschliffen) Nubukleder.

Blankleder
Vegetabil gegerbtes Leder, meist ungefärbt und vom Rind.
Wird z.B. für Möbel, Koffer, Gürtel, Punzierarbeiten, Lederrüstungen und Rüstungsteile verwendet.

Geschirrleder
Vegetabil gegerbtes Leder, meist vom Rind. Kräftiges Leder, das durch mässige bis starke Fettung besonders biegsam und wetterbeständig wird.
Wird z.B. für Pferdegeschirre, Reitsättel, Hundeleinen und hochwertige Gürtel verwendet.

Bodenleder
Festes, meist extrem steifes, hydraulisch verfestigtes (gewalztes) Leder mit guten Eigenschaften gegen Nässe und Kälte, da eigentlich für Laufsohlen von Schuhen verwendet.
Andere Begriffe: Unterleder, Sohlenleder, Vacheleder.
Bei uns findet es wegen seiner hohen Stabilität für besonders ausladende Schulterteile einiger Rüstungen Verwendung.

Gürtelspalt (häufig einfach Spaltleder genannt)
Wird aus den abgespaltenen mittleren und unteren Hautunterschichten hergestellt, die stark mit Farbe bearbeitet und manchmal mit einer künstlichen Hautstruktur geprägt werden um eine glatte Oberfläche zu erhalten.
Wird z.B. für billige Gürtel oder Rüstungen verwendet.

Dünnere Leder (sind geschmeidig und haben eine Stärke von ca. 0,8-2,2 mm)

Schuhoberleder
Die Bezeichnung Schuhoberleder wird für eine Gruppe verschiedener Leder benutzt, die die Verwendung bei der Schuhherstellnug gemeinsam haben.
Bei diesen Ledern handelt es sich um Volleder (meist vom Rind) mit einer Stärke von zwischen 1,3 und 2,2 mm. Die Leder sind teils gefettet und/oder gewachst und manchmal ist die Oberfläche nubukiert.
Schuhoberleder ist ein praktisches Zeug aus dem sich `ne Menge machen läßt. Wir machen z.B. die meisten unserer Taschen und einige der Frauenrüstungen aus Schuhoberleder.

Fettleder
Dieser Begriff wird meist für besonders stark gefettete Schuhoberleder verwendet. Fettleder wirken sehr natürlich, altern schön und sind darüber hinaus besonders wetterbeständig. Sie sind anfällig für jede Art von Gebrauchsspuren (z.B. Fingernagelkratzer), was aber ein erwünschter Effekt ist und mit der Zeit eine wunderschöne Alterspatina ergibt.

Nubuk

Nubukleder ist ein narbenseitig leicht angeschliffenes Kalb- oder Rindleder, das dadurch eine matte Oberfläche mit samtartigem Griff erhält.
Durch den leichten Schliff wird das Leder etwas anfälliger für Schmutz oder Regenflecken. Wenn man das akzeptiert und zuläßt bekommt es mit der Zeit eine wunderschöne Alterspatina, die genauso wie die anfänglich makellose, samtige Oberfläche ihren eigenen Charme besitzt.
Bei uns liebt besonders Helena dieses Leder, sowohl wegen der natürlichen Wirkung der matten Oberfläche als auch wegen des wunderbaren Griffs. :-)
Wird z.B. für Möbel, Bekleidung, Schuhe und Taschen verwendet.

Narbenleder / Glattleder
Glattleder ist die Oberbezeichnung für Lederarten bei denen die Narbenseite der Häute voll erhalten ist. Es kann glatt, genarbt, strukturiert, glänzend oder matt sein.
Wird z.B. für Möbel, Bekleidung, Schuhe und Taschen verwendet.

Nappaleder
Im Prinzip das Gleiche wie Glattleder. Der Begriff Nappaleder wird verwendet, wenn das Leder besonders weich und griffig ist.
Wird z.B. für Schuhe, Möbel, Bekleidung und Handschuhe verwendet.

Veloursleder
Auch ``Rauhleder`` genannt. In der Regel handelt es sich dabei um Spaltveloure, also aus der abgespaltenen Fleischseite des Leders hergestellte, beidseitig geschliffene Leder.
Wird häufig fälschlicherweise auch als Wildleder bezeichnet.
Wird z.B. für Beutel, Bekleidung und Schuhe (günstigere Sortimente) verwendet.

Wildleder
Ein Rauhleder / Velours aus Wildfellen (z.B. Elch, Hirsch, Reh, Gemse oder Rentier), dessen Narbenseite entfernt wird. Häufig wird dieser Begriff fälschlicherweise auch für andere Arten Veloursleder verwendet.


Was ist im Rüstungsbereich von Volleder oder Spaltleder zu halten?

Volleder
Zusammenfassung: Es ist reißfester, wetterbeständiger, sieht schöner aus und ist auch teurer.
Es ist Leder mit beiden Lederschichten (Oberleder/Narbenleder und Fleischseite).
Das Oberleder verleiht dem Volleder das edle Aussehen und die Stabilität für die es bekannt ist.
Schon immer wurde Volleder auch im Rüstbereich verwendet.

Spaltleder
Zusammenfassung: Es ist weniger reißfest, weniger Wetterbeständig, sieht weniger schön aus und kostet auch weniger. Ich würd`s nicht kaufen aber es ist eben die günstigere Alternative zu Volleder.
Spaltleder ist die abgespaltene Fleischseite des Leders, die stark mit Farbe bearbeitet und manchmal mit einer künstlichen Hautstruktur geprägt wird um wie Volleder auszusehen. Anfangs tut es das auch halbwegs. Zumindest bis man es zum ersten mal _richtig_ benutzt hat. Danach kriegt die Farbschicht Sprünge, Feuchtigkeit kann einziehen und das Leder wird langsam aber sicher unansehnlich.
Spaltleder für Rüstzeug ist meist etwas dünner als Volleder. Wir bevorzugen Volleder sowohl wegen der Haltbarkeit als auch aufgrund des optischen Eindrucks.

Leder Eigenschaften

Folgende Begriffe verwenden wir zur Beschreibung eines Leders:

Lederart:

Die Art des Leders eben. Wichtigste Unterscheidung natürlich als Erstes: Volleder oder Spaltleder.

Dicke / Stärke:

Neben der Unterscheidung Volleder / Spaltleder ist die Lederdicke eine der Grundlegensten und meistens auch die Verwendung bestimmenden Eigenschaften.
Für Rüstungen verwenden wir meist Leder mit einer Stärke von 3,5 mm aufwärts, weil Rüstungen einfach was wegstecken können sollten.
Für Gürtel nehmen wir am liebsten Stärken von 2,5 bis 3 mm. Damit sind sie stabil aber trotzdem bequem zu tragen, weil noch nicht zu steif.
Für Taschen verweden wir meist Schuhoberleder mit einer Stärke von 1,6 - 2 mm.
Für Kleinteile (Beutelchen, Bucheinbände,...) verwenden wir Leder mit einer Stärke von 1 - 1,5 mm. Für Bucheinbände läßt aber auch Dünneres verwenden.

Griff / Geschmeidigkeit:

Mit ``Griff`` umschreiben wir alle Aspekte des Eindrucks den ein Leder beim anfassen vermittelt. Als Wichtigstes kommt es hier natürlich darauf an ob ein Leder steif oder geschmeidig ist.
Bei steifen Ledern unterscheiden wir nicht nur den Grad (bretthart oder nur ``nicht knautschig``) sondern auch die ``Qualität`` der Steifheit. Hierfür verwenden wir meist umschreibende Eigenschaftsworte wie z.B. ``Blechig / Strohig`` oder ``geschmeidig und trotzdem standig``.
Die ``standigkeit´´ eines Leders bemißt sich daran ob es ein gewisses ``Stehvermögen`` besitzt oder einfach ``weich fällt``.
Wir schätzen sowohl für Gürtel, als auch für Rüstungen Leder die trotz eines guten Standes eine gewisse Geschmeidigkeit im Griff behalten.

Optik / Aussehen:

Optik bezeichnet immer den rein visuellen Eindruck. Sie läßt sich grob gliedern in Farbe und Oberflächenbeschaffenheit. Darunter fällt natürlich auch die ``Wirkung``. Wirkt das Leder künstlich oder natürlich, wirkt es neu oder antik.

Verwendung:
Aus der Kombination vorgenannter Eigenschaften ergeben sich die Verwendungsmöglichkeiten eines Leders. Wir nennen dabei immer ein paar Beispiele um einen Anhaltspunkt zu geben.

Gerbungsarten:

Grubengerbung:
Die traditionelle Lohgerbung wird in der Grube durchgeführt (woher auch der Name Grubengerbung stammt) und gilt als die älteste Form der pflanzlichen Gerbung. Mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Grubengerbung nach und nach durch die Schnell- oder Faßgerbung mit Lohbrühe, und später die Chromgerbung in Bottichen abgelöst und der Beruf des Lohgerbers geriet immer mehr in Vergessenheit. Es ist ein langwierigeres Gerbverfahren als z.B. die Chromgerbung im Faß, gewährleistet jedoch eine höhere Lederqualität. Leider existieren nur noch wenige Firmen die es verwenden. Häufig werden diese Lohgaren Leder für z.B. Messerscheiden, Punzierarbeiten, Schuhsohlen, Stiefel, Sättel, Ranzen u.Ä. verwendet.

Lederpflege:

Oberfläche:
Lederwachse oder Lederfette pflegen und imprägnieren die Lederoberfläche.

Tiefere Schichten:
Lederöle ziehen ins Leder ein, bewahren seine Geschmeidigkeit und verbessern die Wasserundurchlässigkeit.

Velourleder Pflege:
Fette und Wachse verkleben nur die Oberfläche, also Finger weg.
Velourleder mit einer feinen Bürste säubern und eine Sprühimprägnierung verwenden.

Vermessung von Leder

lederaufteilunghaut.jpglederaufteilunghalbehaut.jpg

Links mal die Aufteilung einer Lederhaut mit branchenüblichen Bezeichnungen.

Leder kommt nicht genormt abgepackt aus einer Fabrik, sondern ist ein Naturprodukt und damit Schwankungen sowohl in Dicke und Qualität wie auch den Ausmaßen unterworfen.
Größenangaben sind also immer ca. Maße.
- 1 m² = 10,76 qfs (Quadratfuß)
- 1 qfs = 0,0929 m² = 30,48 cm x 30,48 cm


Lederstärken Umrechnung

In den USA wird die Lederstärke häufig in oz. angegeben.
1 oz. = 0,4 mm
1 mm = 2,5 oz.


Kurze Geschichte der Lederherstellung

Die Verarbeitung von Tierhäuten zu Leder nennt man Gerben, wobei sich im Laufe der Zeit eine Reihe von verschiedenen Gerbarten entwickelt haben.
Man geht davon aus, daß Gerbung schon in der Altsteinzeit um ca. 8.000 v.Chr. begann.
Die Fett- oder Sämischgerbung soll in der Jungsteinzeit begonnen haben, also ca. 6.000 v. Chr. Ebenfalls war das Gerben durch Räuchern über dem Feuer und die mineralische Weißgerbung durch Alaun bekannt.
In der Bronzezeit (ca. 2000 v. Chr.) kam die pflanzliche Gerbung oder auch vegetabile Gerbung auf, wobei hauptsächlich die Rinde von Eichen oder Buchen verwendet wurde (Lohgerbung). Diese Gerbart wurde durch das ganze Mittelalter hindurch angewendet und kommt auch heute noch bei hochwertigen Ledern zum Einsatz.
Seit Anfang des 20. Jh. ist die schneller zu Ergebnissen führende Chromgerbung die wichtigste Gerbart.

Heute wird Leder in verschiedenen Schritten hergestellt:

Die Rohhäute werden gekühlt gelagert und nach Qualität sortiert.
Durch Einweichen werden die Häute von Dreck befreit. Danach werden Gewebe-, Fleisch- und Fettreste entfernt.
Durch Zugabe von Kalk und Schwefelverbindungen lösen sich im so genannten ``Äscher`` die Haare vom Fell.
Die Häute werden mit Säure und Salz für die Gerbung vorbereitet. Bei der anschließenden Gerbung nehmen die Häute die Gerbstoffe auf und werden zu Leder.
Das entstandene Leder wird entwässert und gespalten, damit man eine gleichmäßig dicke Haut erhält.
Das Leder wird nun noch gefärbt, getrocknet und wieder weich gemacht.