Leder härten mit Wachs


Alsooo.... Das ist jetzt alles etwas kompliziert und auch nicht ganz ungefährlich. Ich weise jede Verantwortung von mir was Schäden betrifft, die aus dem Versuch resultieren Leder nach dieser Anleitung zu härten.

Mögliche unangenehme Konsequenzen:
- Verbrennungen
- Das Wachs versaut die Wohnung
- Irgendwelche Atembeschwerden durch die Dämpfe
- Die Bude fackelt ab
- Das Leder ist unbrauchbar

Ich will niemandem Angst machen, sondern nur zur Vorsicht raten. Bis auf ein paar leichte Verbrennungen und einige verpfuschte Lederarbeiten ging bei mir immer alles glatt.

So, jetzt aber.

Am besten machst Du das alles draußen.

Bei meinen Versuchen verwendete Materialien:

- Eine Mischung die 1/1 aus Bienenwachs und Carnaubawachs besteht.
- Eine alte Friteuse (Die ist danach zu nichts anderem mehr zu gebrauchen) oder zumindest eine Kochplatte und einen großen Topf.
- eine Grillzange
- Papiertücher
- Einen großen Behälter mit kaltem Wasser
- Leder (Wer hätte das gedacht). Es sollte möglichst nicht oberflächenbehandelt oder gefärbt sein (z.B. Blankleder eignet sich gut), da es sonst das Wachs nicht richtig aufnimmt.
Die Qualität des Leders ist hier sehr Entscheidend. Ein paar gescheiterte Versuche kannst Du Dir weiter unten ansehen. Außerdem sollte das Leder mindestens 3 mm dick sein, da es sonst leicht brüchig wird.

Zuerst das Wachs einschmelzen. Mit der Temperatur mußt Du je nach Leder ein wenig experimentieren. Es empfiehlt sich zuerst ein paar kleine Reste zu testen reinzuschmeißen, um nicht das richtige Stück zu versauen, weil die Temperatur nicht stimmt. Wenn das Wachs zu heiß ist, schaut das Leder hinterher aus wie frittiert, bei zu niedriger Temperatur wird das Wachs nicht richtig aufgenommen.

Die Temperatur ist richtig, wenn vom Leder kleine Bläßchen aufsteigen.

Das Leder bleibt jetzt so lange im Wachs, bis keine Bläßchen mehr aufsteigen. Ich wende es ab und zu, damit nicht immer nur eine Seite mit dem heißeren Boden in Berührung kommt. Bloß nicht weggehen. Wenn man den richtigen Zeitpunkt verpasst, wird das Leder brüchig.

Wenn es soweit ist, muß alles schnell gehen. Das Carnaubawachs wird innerhalb von ca. 30 Sekunden Steinhart und das Leder läßt sich dann nicht mehr richtig formen.
Das Leder mit der Grillzange aus dem Behälter holen und auf vorher ausgebreitete Papiertücher legen. Überschüssiges Wachs von beiden Seiten gut abwischen.
Jetzt kommt der harte Teil...
Wer auf Schmerzen steht kann das Lederstück direkt am Körper formen, der aber besser mit ein paar Schichten Papiertüchern isoliert werden sollte. (ICH habe das nur einmal gemacht. War einfach zu heiß. Aber das Ergebnis saß wie angegossen *g*. Ich weise hier ausdrücklich darauf hin, das dieser Versuch in üblen Verbrennungen enden kann und weise jede Verantwortung weiiiiit von mir!!) Alternativ kann man das Leder auch auf einer Form in Form bringen. Bei Armschienen z.B. ein dickes Plastikrohr.
Sobald die gewünschte Form erreicht ist sofort mit kaltem Wasser abschrecken bis das Leder ausgekühlt ist. Während dem Abkühlen hat man nochmal 5-10 Sekunden zeit das Leder noch ein bißchen in Form zu zwingen. Danach ist es Steinhart!

Wenn nach dem ersten anpassen das Teil noch nicht richtig sitzt, kann man es durch erwärmen in heißem Wasser wieder Formbar machen. Wenn die Form dann stimmt einfach wieder kalt abschrecken.

Tja... Das war`s eigentlich... Eine Portion Glück braucht man aber doch. Es passiert mir immer wieder mal, daß ich ein Stück versaue... Das läßt sich nicht ändern...

Und wie gesagt... Passt auf euch auf... Ich weiß nicht ob und wenn ja, ab welcher Temperatur Wachs im Topf Feuer fängt.

Allgemeines zu gehärtetem Leder

Früher wurde Leder mit heißem Fett oder Öl gehärtet. Der Nachteil dabei ist, daß das Fett mit der Zeit ranzig wird und neben dem üblen Geruch auch noch das Leder angreift.

Wir haben bei unserem Versuch Leder mit einer Mischung verschiedener Wachssorten gehärtet und in kaltem Wasser abgeschreckt. Das Leder wird dadurch verdammt hart und außerdem perlt Wasser daran ab wie an einem Entenbürzel *g*. Also nix mit ranzigen Gerüchen oder Wasserflecken.

Außerdem kann das Leder durch kurzzeitiges und vorsichtiges Erwärmen in warmen Wasser wieder formbar gemacht werden.
Danach einfach kalt abschrecken und ein paar Stunden aushärten lassen. So können Rüstungsteile auf den jeweiligen Träger angepasst werden, damit sie wie angegossen sitzen.

Leder zu härten ist, wenn man es richtig machen will eine recht zeitaufwendige und komplizierte Prozedur bei der man auf wirklich alles achten muß: richtige Verarbeitung und Vorbereitung, Temperatur (gibt eklige Brandblasen wenn man nicht aufpasst), Art und Beschaffenheit des Leders, Zeit, Wachssorten und Mischung und eine Portion Glück.
Hier mal ein paar Bilder meiner ersten (gescheiterten) Versuche.

Die natur der Herstellung macht es (zumindest für mich) unmöglich eine andere Farbe als dunkles bis mitteldunkles Braun zu erzeugen.

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